Buddha Śâkyamuni, Frühes 19.Jhdt., Tibet
, © Sammlung Peter Infeld Privatstiftung

yogini.! kunst aus tibet

Zeitraum: 15. November 2012 - 10. März 2013
Ort: Museum

Warum tibetische Kunst in Gugging? Die große Ausstellung august walla.! weltallende eröffnete einen Einblick in das mythologische Schaffen und die philosophisch theologische Gedankenwelt eines Art Brut Künstlers: in eine Welt der Götter, Engel und Zauberer. Diesem künstlerischen Ausdruck einer selbst geschaffenen polytheistischen Philosophie wird nun eine tausend Jahre alte Kunst einer religiösen Tradition in Tibet gegenübergestellt. Thangkas, also auf Leinen oder Seide gemalte Rollbilder, die nach genauen Vorschriften geschaffen, bedeutende religiöse Funktion hatten, stellen die wichtigsten Kunsterzeugnisse einer Sphäre dar, die bis vor kurzem dem Mitteleuropäer fremd war und erst langsam bekannt wird.

Yoginis sind Mittlergöttinnen, "Himmelswandlerinnnen" und stellen die Verbindung zwischen irdischer Welt und der überirdischen Welt der Erlösung her, als die man in unseren Breiten vielleicht die Welt der Kunst ansehen könnte.

Trafen in der Ausstellung judith & shields.! die Wollskulpturen der US-amerikanischen  Künstlerin Judith Scott direkt auf die ursprünglichen Hochlandschilde Neuguineas, so passiert es nun hintereinander: auf Wallas Götter-Universum, das bis Ende Oktober zu sehen war, folgen die künstlerischen Erzeugnisse einer von langer Tradition geprägten, von Generation zu Generation überlieferten Welt von Menschen, die sich ihrer Religion verschrieben hatten. Kunst, eigentlich von Laien geschaffen, aber von beeindruckender Qualität, die sich in dieser Ausstellung über eine Spanne von mehreren Jahrhunderten erstreckt. Auch bei diesen Werken findet man – wie bei Walla – die hohe Bedeutung der Symbolik, sie ist aber im Gegensatz dazu nicht primärer kreativer Ausdruck des Malers, sondern folgt klar definierten ikonographischen Mustern. Trotz dieses scheinbaren Widerspruchs unterscheidet sich die aus westlicher Sicht wahrgenommene künstlerische Qualität der Thangkas ganz wesentlich. So wie in der Stammeskunst werden hier die Tradition und das Vorwissen ausgeklammert und in erster Linie das westlich geprägte ästhetische Erleben angesprochen.

Die Sammlung Peter Infeld Privatstiftung, bewahrt und kuratiert von Prof. Gerhard Kisser, leiht dem Museum Gugging diese über Jahrzehnte zusammengetragenen wertvollen und raren Werke für diese Präsentation. Rund einhundert Thangkas sind im museum gugging zu sehen.

Johann Feilacher, künstlerischer Leitung des museum gugging und Kurator der Ausstellung, Juli 2012